Giraffensprache Schule: 4 Schritte & 6 Übungen
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Giraffensprache Schule: 4 Schritte, Beispiele und Übungen

Mit zwölf altersgerechten Übungen lernen Kinder, Gefühle zu benennen, Bedürfnisse zu verstehen, zuzuhören und Konflikte respektvoll anzusprechen.

Dieser Praxisleitfaden richtet sich an Lehrkräfte und Schulsozialarbeit: mit klaren Abläufen, Materialien, Gesprächsbeispielen, Checkliste und Anregungen für den Transfer in die Klasse.

6 Übungen entdecken Checkliste nutzen

Das erwartet Sie

  • ✓ Grundlagen der gewaltfreien Kommunikation
  • ✓ Die vier Schritte kindgerecht erklärt
  • ✓ Zwölf Übungen mit Dauer und Material
  • ✓ Praxisbeispiele aus der Grundschule
  • ✓ Altersgerechte Differenzierung
  • ✓ Häufige Fehler und Grenzen
  • ✓ Checkliste für Lehrkräfte
  • ✓ FAQ und Fachquellen
Giraffensprache Schule: Gefühle, Bedürfnisse und respektvolle Kommunikation
Giraffensprache Schule – praktische Methoden für Lehrkräfte, Grundschule und Schulsozialarbeit.

Was bedeutet Giraffensprache in der Schule?

Giraffensprache Schule ist ein kindgerechter Zugang zur Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Die Giraffe steht sinnbildlich für einen weiten Blick und eine zugewandte Haltung: Wir versuchen zu verstehen, was in uns selbst und in anderen vorgeht, bevor wir reagieren. Kinder lernen, Beobachtungen von Bewertungen zu unterscheiden, Gefühle zu benennen, Bedürfnisse zu erkennen und konkrete Bitten auszusprechen.

Im Schulalltag entstehen Missverständnisse oft sehr schnell. Ein Kind fühlt sich beim Spielen ausgeschlossen, ein anderes wird bei der Gruppenarbeit übergangen. Aus Enttäuschung werden Vorwürfe, aus Vorwürfen entsteht Streit. Die Giraffensprache gibt Kindern ein einfaches Gerüst, um solche Situationen verständlicher zu beschreiben. Sie soll weder Wut verbieten noch Konflikte unterdrücken.

Definition für Kinder

Giraffensprache heißt: Ich sage, was passiert ist, wie ich mich fühle, was ich brauche und was ich mir wünsche – ohne jemanden zu beleidigen.

Die Methode ist keine Zauberformel. Ein freundlich formulierter Satz führt nicht automatisch zu Einigkeit. Unterschiedliche Interessen bleiben bestehen. Dennoch kann die Giraffensprache helfen, dass Beteiligte sich besser verstehen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Mehr Grundlagen stehen im Artikel Gewaltfreie Kommunikation Grundschule.

Giraffensprache und Wolfssprache: den Unterschied verstehen

In vielen pädagogischen Materialien wird die Giraffensprache der sogenannten Wolfssprache gegenübergestellt. Mit Wolfssprache sind vorwurfsvolle, bewertende oder drohende Aussagen gemeint. Giraffensprache beschreibt dagegen möglichst konkret, was passiert ist, und macht Gefühle sowie Bedürfnisse sichtbar. Die Begriffe dienen ausschließlich der Beschreibung von Sprachmustern. Kein Kind darf als „Wolf“ abgestempelt werden.

Wolfssprache

„Du bist immer so gemein!“ – „Mit dir spiele ich nie wieder!“ – „Du machst alles falsch!“ Solche Aussagen verallgemeinern, werten ab und erschweren oft das gegenseitige Verstehen.

Giraffensprache

„Ich bin enttäuscht, weil ich heute nicht mitspielen konnte. Ich möchte dazugehören. Können wir für die nächste Runde eine Lösung finden?“ Diese Aussage beschreibt das eigene Erleben und lädt zum Gespräch ein.

Wichtig ist, dass auch Erwachsene ihre Sprache reflektieren. Wer Kinder bei einem Fehler öffentlich bloßstellt oder ihnen Absichten unterstellt, vermittelt ein anderes Kommunikationsmuster als durch ruhiges Nachfragen. Lehrkräfte müssen nicht perfekt sprechen; sie können aber vorleben, wie man eigene Aussagen korrigiert und Verantwortung übernimmt.

Giraffensprache bedeutet nicht, dass ein Kind stets nachgeben muss. Es darf Nein sagen, Abstand verlangen und sich Hilfe holen. Auch klare Regeln, Grenzen und Schutzmaßnahmen bleiben verbindlich.

Die vier Schritte der Giraffensprache

Die vier Schritte sind ein Orientierungsrahmen, kein starres Gesprächsskript. Gerade jüngere Kinder profitieren davon, zunächst jeden Schritt einzeln zu üben.

1. Beobachtung

Was ist tatsächlich passiert? Statt „Du bist rücksichtslos“ sagt das Kind: „Du hast angefangen, während ich noch gesprochen habe.“ Beobachtungen helfen, die Situation ohne pauschale Schuldzuweisung zu beschreiben.

2. Gefühl

Wie geht es mir? „Ich bin traurig“, „Ich bin enttäuscht“ oder „Ich bin wütend“ sind Gefühlsäußerungen. Kinder benötigen dafür einen Wortschatz und die Erfahrung, dass Gefühle benannt werden dürfen.

3. Bedürfnis

Was ist mir wichtig? Hinter Enttäuschung können Zugehörigkeit, Sicherheit, Fairness, Ruhe oder Mitbestimmung stehen. Ein Bedürfnis ist nicht dasselbe wie eine konkrete Forderung an eine bestimmte Person.

4. Bitte

Was wünsche ich mir konkret? „Kannst du mich beim nächsten Mal vorher fragen?“ ist verständlicher als „Sei netter!“. Eine Bitte soll klar und möglichst umsetzbar sein.

Merksatz für die Klasse

„Ich sehe … Ich fühle … Ich brauche … Ich bitte dich …“

Bei akuter Aufregung ist eine Pause häufig sinnvoller als der Versuch, alle vier Schritte sofort zu formulieren. Ein Kind kann zuerst Abstand gewinnen und später gemeinsam mit einer vertrauten erwachsenen Person das Gespräch vorbereiten.

Giraffensprache Schule: die Einführung gut vorbereiten

Ein guter Einstieg beginnt nicht mit einem aktuellen Streit, sondern mit einfachen, fiktiven Situationen. Lehrkräfte und Schulsozialarbeit können gemeinsam mit der Klasse sammeln, wie sich Wut, Traurigkeit, Aufregung und Enttäuschung anfühlen. Gefühlskarten, Satzanfänge und kurze Geschichten machen abstrakte Begriffe greifbar.

Vor dem ersten Rollenspiel braucht die Gruppe verlässliche Gesprächsregeln: Niemand wird ausgelacht, persönliche Erfahrungen dürfen freiwillig geteilt werden, und niemand muss vor der Klasse einen Konflikt offenlegen. Besonders bei Kindern mit sprachlichen Schwierigkeiten sind Symbole, kurze Sätze und genügend Zeit hilfreich.

Sechs Schritte zur Einführung

  1. Gefühle sammeln: Welche Wörter kennen die Kinder? Können zwei Menschen in derselben Situation unterschiedlich empfinden?
  2. Beobachten lernen: Was habe ich gesehen oder gehört? Was ist bereits meine Interpretation?
  3. Bedürfnisse entdecken: Welche Rolle spielen Ruhe, Sicherheit, Freundschaft oder Fairness?
  4. Bitten üben: Wie formuliere ich einen konkreten nächsten Schritt?
  5. In sicheren Situationen anwenden: Zuerst mit erfundenen Beispielen, später im Alltag.
  6. Wiederholen und reflektieren: Kleine Rituale sind oft hilfreicher als eine einmalige Unterrichtseinheit.

Eine sichtbare Übersicht der vier Schritte kann im Klassenraum hängen. Sie sollte als Unterstützung dienen, nicht als Kontrollinstrument. Das Ziel ist echte Verständigung, nicht das fehlerfreie Aufsagen einer Formel.

Sechs praktische Giraffensprache-Übungen für die Schule

Die folgenden Methoden eignen sich für Unterricht, Klassenrat und Schulsozialarbeit. Altersangaben sind Orientierungshilfen; entscheidend sind Entwicklungsstand, Sprachvermögen und Gruppensituation.

1. Gefühlsdetektive

Ziel: Gefühle erkennen und unterscheiden Dauer: 10–15 Minuten. Material: Gefühlskarten.

Ablauf: Die Lehrkraft zeigt Karten mit verschiedenen Gesichtsausdrücken. Die Kinder benennen mögliche Gefühle und erzählen freiwillig von neutralen Alltagssituationen. Danach werden kleine Szenen vorgelesen. Mehrere Gefühle können zu einer Situation passen.

Reflexion: Warum wissen wir nicht immer sicher, wie sich andere fühlen? Wie können wir respektvoll nachfragen?

2. Wolfssprache übersetzen

Ziel: Vorwürfe in verständliche Aussagen verwandeln Dauer: 15–20 Minuten. Material: Satzkarten.

Ablauf: Auf Karten stehen Sätze wie „Du nervst!“ oder „Du bist unfair!“. Die Kinder überlegen zunächst, welche Situation gemeint sein könnte. Anschließend formulieren sie eine Beobachtung, ein Gefühl und eine Bitte. Die Gruppe vergleicht, wie unterschiedlich die Sätze wirken.

Reflexion: Welche Formulierung hilft, ins Gespräch zu kommen? Warum ist eine konkrete Beobachtung hilfreicher als eine pauschale Bewertung?

3. Vier-Schritte-Treppe

Ziel: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte verbinden Dauer: 20 Minuten. Material: vier große Bodenkarten.

Ablauf: Vier Stationen liegen im Raum. Ein Kind bekommt eine erfundene Situation, beispielsweise einen Streit um einen Platz. Es geht nacheinander zu den vier Karten und entwickelt passende Sätze. Andere Kinder dürfen unterstützen, ohne zu bewerten.

Reflexion: Welcher Schritt fällt leicht? Welche Worte helfen, wenn wir aufgeregt sind?

4. Bedürfnisdetektive

Ziel: Bedürfnisse hinter Verhalten erkennen Dauer: 20 Minuten. Material: Karten mit Bedürfnissen.

Ablauf: Die Gruppe sammelt Bedürfnisse wie Ruhe, Zugehörigkeit, Sicherheit und Mitbestimmung. Anschließend werden Alltagssituationen besprochen. Ein Kind möchte nicht an einer Gruppenarbeit teilnehmen; ein anderes will unbedingt zuerst beginnen. Die Kinder überlegen, welche Bedürfnisse dahinterstehen könnten.

Reflexion: Können zwei Kinder gleichzeitig unterschiedliche, berechtigte Bedürfnisse haben?

5. Zuhör-Tandem

Ziel: Aufmerksam zuhören und Gehörtes zusammenfassen Dauer: 15 Minuten. Material: keines.

Ablauf: Zwei Kinder bilden ein Tandem. Kind A erzählt eine Minute von einem neutralen Erlebnis, Kind B hört zu, ohne zu unterbrechen. Danach fasst Kind B zusammen, was angekommen ist. Beide wechseln die Rollen. Erst in einer späteren Runde werden einfache Meinungsverschiedenheiten aufgegriffen.

Reflexion: Wie fühlt es sich an, wenn jemand nicht sofort widerspricht? Was ist beim Zuhören schwierig?

6. Giraffensprache im Klassenrat

Ziel: Die Methode in wiederkehrende Gesprächsrituale übertragen Dauer: 20–30 Minuten. Material: Gesprächsregeln und Moderationskarten.

Ablauf: Im Klassenrat beschreibt ein Kind freiwillig ein Anliegen. Die Gruppe fragt nach Beobachtungen, Gefühlen und Bedürfnissen, ohne zu drängen. Gemeinsam werden konkrete Vereinbarungen entwickelt und später überprüft. Bei ernsten Vorfällen erfolgt die Klärung außerhalb der öffentlichen Runde.

Reflexion: Wurden alle gehört? Ist die Vereinbarung fair, verständlich und im Alltag umsetzbar?

Wer weitere Methoden sucht, findet im Beitrag Gewaltfreie Kommunikation Übungen Kinder zwölf ergänzende Praxisideen.

Giraffensprache altersgerecht vermitteln

Klassen 1 und 2: Bilder, Gefühle und kurze Sätze

Jüngere Kinder benötigen anschauliche Beispiele. Gefühlskarten, kleine Geschichten und kurze Satzanfänge sind hilfreicher als lange Erklärungen. Eine Einheit kann bereits nach zehn Minuten enden. Wiederholung schafft Sicherheit. Ein gemeinsamer Merksatz wie „Ich bin traurig und möchte mitspielen“ reicht für den Anfang völlig aus.

Klassen 3 und 4: Perspektivwechsel und Bedürfnisse

Ältere Grundschulkinder können zunehmend zwischen Beobachtungen und Bewertungen unterscheiden. Sie erkennen, dass hinter demselben Verhalten unterschiedliche Bedürfnisse stehen können. Rollenspiele und die Vier-Schritte-Treppe ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung. Die Lehrkraft unterstützt, wenn Vorwürfe oder starre Rollen entstehen.

Klassen 5 und 6: komplexere Konflikte

Mit zunehmendem Alter werden Gruppendruck, Zugehörigkeit, Chatkonflikte und unterschiedliche Interessen wichtiger. Die Giraffensprache kann helfen, über die Wirkung von Worten zu sprechen. Dabei sollten Jugendliche eigene Formulierungen entwickeln dürfen. Eine künstlich wirkende Mustersprache kann Widerstand auslösen; authentische Kommunikation ist wichtiger als perfekte Begriffe.

Vier Praxisbeispiele für Giraffensprache im Schulalltag

1. Streit um einen Stift

Wolfssprache: „Du klaust immer meine Sachen!“

Giraffensprache: „Du hast meinen Stift genommen, ohne zu fragen. Ich bin ärgerlich, weil mir meine Sachen wichtig sind. Frag mich bitte vorher.“

Das Kind beschreibt die Situation, statt eine pauschale Absicht zu unterstellen.

2. Nicht mitspielen dürfen

Wolfssprache: „Ihr seid alle gemein!“

Giraffensprache: „Als ihr ohne mich angefangen habt, war ich traurig. Ich möchte dazugehören. Können wir besprechen, ob ich mitspielen kann?“

Die Gruppe kann Bedürfnisse und Spielregeln gemeinsam betrachten.

3. Lärm bei der Gruppenarbeit

Wolfssprache: „Ihr nervt total!“

Giraffensprache: „Wenn mehrere gleichzeitig sprechen, kann ich mich nicht konzentrieren. Ich brauche Ruhe. Können wir nacheinander reden?“

Die Bitte beschreibt ein konkretes Verhalten, das verändert werden kann.

4. Streit um Regeln

Wolfssprache: „Du schummelst!“

Giraffensprache: „Vorhin hatten wir eine andere Regel vereinbart. Ich bin irritiert, weil mir Fairness wichtig ist. Können wir die Regel gemeinsam klären?“

Das Gespräch richtet sich auf die gemeinsame Vereinbarung.

Bei allen Beispielen gilt: Kinder müssen ihre Sicht nicht aufgeben. Eine Bitte kann abgelehnt werden. Dann braucht es neue Lösungen, Unterstützung oder klare Entscheidungen durch Erwachsene.

Giraffensprache Schule im Unterricht dauerhaft verankern

Eine einzelne Unterrichtsstunde reicht selten aus, um neue Kommunikationsmuster zu festigen. Kinder brauchen wiederkehrende Gelegenheiten, die Giraffensprache in sicheren Situationen zu üben. Dafür eignen sich ein kurzer Gefühlscheck am Morgen, Gesprächsrituale nach Gruppenarbeiten oder regelmäßige Reflexionsrunden.

Beispiel: 45 Minuten Unterricht

  1. 5 Minuten: Gefühle mit Karten benennen.
  2. 10 Minuten: Wolfssprache und Giraffensprache an zwei Beispielen unterscheiden.
  3. 10 Minuten: Die vier Schritte gemeinsam erarbeiten.
  4. 15 Minuten: In Tandems eine fiktive Konfliktsituation bearbeiten.
  5. 5 Minuten: Ein Satz für die nächste Woche auswählen und sichtbar festhalten.

Die Lehrkraft kann eigene Sprache als Modell nutzen: „Ich merke, dass mehrere gleichzeitig sprechen. Ich brauche Ruhe, um die Aufgabe zu erklären. Bitte meldet euch nacheinander.“ Solche Formulierungen verbinden Klarheit mit Respekt.

Schulsozialarbeit kann in Kleingruppen oder Einzelgesprächen gezielt unterstützen. Entscheidend ist, dass Übungen nicht als Sanktion eingesetzt werden. Wer gerade sehr wütend ist, benötigt möglicherweise zuerst Abstand, Schutz und Beruhigung. Die eigentliche Konfliktklärung kann später erfolgen.

Sieben häufige Fehler bei der Giraffensprache vermeiden

  1. Kinder als „Wölfe“ bezeichnen: Das Bild darf nie zur Abwertung einzelner Personen werden. Besprochen wird die Aussage, nicht der Wert eines Kindes.
  2. Gefühle bewerten: Wut oder Enttäuschung sind nicht verboten. Grenzen betreffen verletzendes Verhalten.
  3. Ich-Botschaften erzwingen: Auswendig gelernte Sätze ersetzen keine innere Auseinandersetzung. Eigene Worte sind erlaubt.
  4. Persönliche Konflikte vorführen: Kinder sollen keine belastenden Erfahrungen vor der Klasse offenlegen müssen.
  5. Zu schnell Lösungen verlangen: Manchmal brauchen Beteiligte erst Zeit, um sich zu beruhigen und ihre Bedürfnisse zu verstehen.
  6. Grenzen vernachlässigen: Giraffensprache ergänzt Aufsicht, Regeln und Intervention, ersetzt sie aber nicht.
  7. Mobbing mit Streit gleichsetzen: Bei gezielter wiederholter Ausgrenzung und Machtungleichgewicht sind andere Schutzmaßnahmen notwendig.

Ein weiterer Fehler ist die Erwartung sofortiger Harmonie. Konflikte gehören zum Zusammenleben. Der pädagogische Erfolg liegt nicht darin, jeden Streit zu vermeiden, sondern darin, einen respektvolleren Umgang mit Unterschieden einzuüben.

Wann Giraffensprache allein nicht ausreicht

Gewaltfreie Kommunikation ist ein hilfreicher Bestandteil sozialer Bildung, aber kein Ersatz für Schutzkonzepte. Bei körperlicher Gewalt, Drohungen, massiver Ausgrenzung oder wiederholten Übergriffen müssen Erwachsene aktiv eingreifen. Betroffene Kinder benötigen Sicherheit und Unterstützung; ein Gespräch zwischen allen Beteiligten ist nicht immer der richtige erste Schritt.

Auch bei starken emotionalen Belastungen, Sprachbarrieren oder besonderen Unterstützungsbedarfen ist die Methode anzupassen. Gefühle dürfen freiwillig benannt werden. Niemand muss intime Erfahrungen preisgeben, um an einer Übung teilzunehmen. Pädagogische Fachkräfte entscheiden situationsbezogen, wann eine Einzelbegleitung, die Einbindung der Schulsozialarbeit oder weitere Unterstützung notwendig ist.

Checkliste: Giraffensprache Schule praktisch einsetzen

Die folgende Übersicht unterstützt die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung im Unterricht.

Vorbereitung

☐ Lernziel und passende Altersgruppe festgelegt
☐ Gefühlskarten oder Satzhilfen vorbereitet
☐ Fiktive, unverfängliche Situationen ausgewählt
☐ Freiwilligkeit und Gesprächsregeln geklärt

Durchführung

☐ Beobachtung und Bewertung unterschieden
☐ Gefühle ohne Beschämung benannt
☐ Bedürfnisse gemeinsam erkundet
☐ Konkrete, umsetzbare Bitten geübt
☐ Niemanden zu persönlichen Aussagen gedrängt

Transfer

☐ Reflexion durchgeführt
☐ Hilfreiche Sätze im Klassenraum sichtbar gemacht
☐ Weitere kurze Übungszeiten eingeplant
☐ Bei ernsten Konflikten Schutz und Unterstützung gesichert

Die Checkliste ist kein Bewertungsschema für einzelne Kinder. Sie soll Lehrkräften und Schulsozialarbeit helfen, einen sicheren Rahmen zu gestalten und die Methode langfristig in den Schulalltag zu integrieren.

Giraffensprache und Projekttag Konfliktlösung verbinden

Die Giraffensprache vermittelt wichtige sprachliche Grundlagen. Kinder benötigen jedoch auch Gelegenheiten, Zusammenarbeit, Rücksichtnahme und Grenzen in gemeinsamen Aufgaben zu erleben. Genau hier kann ein Projekttag zur Konfliktlösung ansetzen.

Die TRY-BULLS Academy begleitet Schulklassen mit praxisorientierten Projekttagen zu Gewaltprävention, Konfliktlösung und sozialem Lernen. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten gemeinsam Herausforderungen und reflektieren anschließend, wie Kommunikation, Absprachen und gegenseitige Unterstützung gelungen sind.

Ein möglicher Transfer lautet: Was habe ich beobachtet? Wie habe ich mich gefühlt? Was war mir wichtig? Welche Bitte hätte unserer Gruppe geholfen? So wird aus einer gemeinsamen Erfahrung ein Gesprächsanlass für den Schulalltag. Die Inhalte werden auf Alter und Situation der Klasse abgestimmt.

Unverbindlich anfragen Mehr zum Projekttag Konfliktlösung

Fazit: Giraffensprache Schule stärkt respektvolle Gespräche

Giraffensprache kann Kindern helfen, Konflikte verständlicher anzusprechen. Die vier Schritte – Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte – geben ihnen eine Struktur, ohne ihnen Gefühle oder Lösungen vorzuschreiben. Besonders wirksam im pädagogischen Alltag ist die regelmäßige, altersgerechte Anwendung mit sicheren Übungssituationen.

Lehrkräfte und Schulsozialarbeit können die Methode durch Gefühlskarten, Rollenspiele, Zuhörübungen und Klassenrat begleiten. Gleichzeitig bleiben klare Grenzen und Schutzmaßnahmen unverzichtbar. Ziel ist nicht eine Klasse ohne Streit, sondern eine Gemeinschaft, die Unterschiede respektvoller besprechen kann.

Fachquellen und weiterführende Orientierung

  1. Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens. Grundlagenwerk zu Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte.
  2. Center for Nonviolent Communication: Informationen zur Gewaltfreien Kommunikation: cnvc.org.
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: Materialien zu Konfliktbearbeitung, Demokratiebildung und sozialem Miteinander: bpb.de.

Die beschriebenen Übungen sind pädagogische Praxisanregungen und kein therapeutisches oder diagnostisches Verfahren. Die konkrete Eignung hängt von Gruppe, Alter und fachlicher Begleitung ab.

Über den Autor: Rico Schmidt

RS

Rico Schmidt – TRY-BULLS Academy

Gründer und Trainer der TRY-BULLS Academy. Zertifizierter Resilienztrainer, mit DOSB-B-Trainerlizenz, World-Rugby-Trainerqualifikation und Schulung im Kinderschutz.

Er begleitet Schulklassen in Projekttagen zu Gewaltprävention, Mobbingprävention, sozialem Lernen und Klassengemeinschaft. Die Fachartikel verbinden grundlegende Konzepte mit Erfahrungen aus der schulischen Projektpraxis.

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Schulen aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt vertrauen auf die TRY-BULLS Academy

Erfolgreiche Präventionsprojekte an Schulen und Bildungseinrichtungen in mehreren Bundesländern.

Das sagen Schulen über unsere Arbeit

Rückmeldungen aus Projekttagen und Projektwochen in mehreren Bundesländern.

„Das Projekt ‚Rugby gegen Gewalt‘ war ein rundum gelungener Projekttag, der jeden Cent wert ist und einen wichtigen Beitrag zum Teambuilding innerhalb einer Klasse leistet. […] Den Trainern der Try-Bull-Academy ist es sehr gut gelungen, diese Inhalte altersgerecht und praxisnah zu vermitteln. […] Insgesamt war ‚Rugby gegen Gewalt‘ für unsere Klasse eine sehr wertvolle Erfahrung, die nicht nur viel Freude brachte, sondern auch wichtige Impulse für den respektvollen Umgang miteinander und den Zusammenhalt innerhalb der Klasse gab.“
C. MundtLehrkraft · Regenbogenschule Fahrland · Potsdam
Die Projekttage mit der TRY-BULLS Academy waren für unsere Schülerinnen und Schüler ein gelungener Start in das neue Schuljahr. Besonders für die neu zusammengesetzten Klassen bot das Rugbyprojekt eine tolle Möglichkeit, sich kennenzulernen und als Team zusammenzuwachsen. Respekt, Fairness und Teamgeist wurden dabei nicht nur besprochen, sondern auf dem Spielfeld ganz praktisch erlebt. Durch die gemeinsamen Aufgaben und Herausforderungen entstand ein echtes Wir-Gefühl.
Schulzentrum am TurmSchwerin · Mecklenburg-Vorpommern
Der Projekttag hat unsere Klasse sichtbar näher zusammengebracht. Besonders schön war zu erleben, wie Schülerinnen und Schüler eigene Unsicherheiten überwanden, sich auf neue Herausforderungen einließen und gemeinsam Erfolgserlebnisse sammelten. Auch die anfängliche Trennung zwischen Jungen und Mädchen löste sich im Verlauf des Tages zunehmend auf. Die Mischung aus Bewegung, Teamaufgaben und Reflexion hat die Schülerinnen und Schüler erreicht und für viel Freude gesorgt.
Regionale Schule Ernst Moritz ArndtGreifswald · Mecklenburg-Vorpommern
Die drei Projekttage mit der TRY-BULLS Academy waren für unsere Schülerinnen und Schüler eine tolle Gelegenheit, Bewegung, gemeinsames Lernen und Gewaltprävention miteinander zu verbinden. Die Kinder konnten Rugby ausprobieren, neue Fähigkeiten entdecken und als Klasse gemeinsam Herausforderungen bewältigen. Besonders positiv waren die große Begeisterung und Motivation sowie der gelebte Teamgeist, die gegenseitige Unterstützung, Fairness und der respektvolle Umgang miteinander. Vielen Dank für drei tolle und lehrreiche Tage!
Grundschule Leipziger StraßeMagdeburg · Sachsen-Anhalt
„Ein großartiges Projekt, welches mehr als nur einen gewaltfreien Umgang miteinander vermittelt. Der Trainer motivierte jeden Schüler und jede Schülerin mit einer sehr abwechslungsreichen Umsetzung der Inhalte; die vielen praktischen Übungen waren geprägt von jeder Menge Spielfreude und stets durchzogen von fachübergreifendem theoretischen Input. So konnten letztlich die Leitgedanken des Rugbysports – Respekt, Fairness, Solidarität, Integration und Passion – das Klassenteam positiv beeinflussen und nachhaltig stärken. Danke – jederzeit gerne wieder!“
Klasse 6bGrundschule Forst Mitte · Brandenburg
„Besonders beeindruckend war, dass eine sonst sehr herausfordernde Klasse in diesem Rahmen ihre Stärken zeigen konnte. Die Schülerinnen und Schüler konnten ihre Energie sinnvoll einsetzen, sich körperlich auspowern und gleichzeitig konzentriert und kooperativ zusammenarbeiten.“
Maria-Louise HartmannRespekt Coach · Christliche Schule Johanneum · Hoyerswerda
„Im Projekt ‚Rugby statt Mobbing – Kinder lernen Fairness‘ konnten unsere Schülerinnen und Schüler wichtige Werte wie Fairness, Teamgeist und gegenseitige Unterstützung praxisnah erleben.“
K. SchulzSchulleitung · Jahnschule Wittenberge · Brandenburg
„In unserer Projektwoche drehte sich alles um das Thema Rugby gegen Gewalt und Mobbing. Mit viel Spaß und Bewegung lernten die Kinder, wie wichtig Teamgeist, Fairness und Respekt im Sport und im Alltag sind.“
Schule am BuntzelbergBerlin-Bohnsdorf
„Der Rugby-Tag hat den Schülerinnen und Schülern viel Freude bereitet. Teamgeist, Fairness und gegenseitiger Respekt wurden auf natürliche und praxisnahe Weise vermittelt.“
Tamara JankowskiSchulsozialarbeit · Annedore-Leber-Grundschule · Berlin

Häufige Fragen zur Giraffensprache Schule

Antworten für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit.

Was bedeutet Giraffensprache in der Schule?

Giraffensprache ist eine kindgerechte Vermittlungsform der Gewaltfreien Kommunikation. Kinder lernen, Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten respektvoll auszudrücken.

Was ist der Unterschied zwischen Giraffensprache und Wolfssprache?

Giraffensprache steht für zugewandte, konkrete Aussagen. Wolfssprache bezeichnet in pädagogischen Beispielen vorwurfsvolle oder bewertende Sprachmuster. Die Begriffe dürfen nicht zur Etikettierung von Kindern genutzt werden.

Welche vier Schritte gehören zur Giraffensprache?

Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Sie helfen, eigene Erlebnisse verständlich und ohne pauschale Schuldzuweisungen anzusprechen.

Ab welchem Alter kann man Giraffensprache üben?

Bereits in den ersten Grundschulklassen können Kinder Gefühle benennen und einfache Bitten formulieren. Komplexere Abläufe werden schrittweise eingeführt.

Welche Übungen eignen sich für die Schule?

Gefühlsdetektive, Wolfssprache übersetzen, Vier-Schritte-Treppe, Bedürfnisdetektive, Zuhör-Tandems und Klassenrat sind geeignete Methoden.

Hilft Giraffensprache gegen Mobbing?

Sie kann soziale Kompetenzen unterstützen, ersetzt aber keine gezielten Schutz- und Interventionsmaßnahmen bei Mobbing.

Wie kann Schulsozialarbeit die Methode nutzen?

In Kleingruppen, Sozialtrainings und geschützten Konfliktgesprächen, angepasst an Alter und individuelle Bedürfnisse.

Wie wird Giraffensprache langfristig verankert?

Durch kurze wiederkehrende Übungen, Gesprächsregeln, sichtbare Satzhilfen und die Vorbildfunktion der Erwachsenen.