Ich Botschaften Schule: Beispiele, 4 Schritte und Übungen
Ich-Botschaften helfen Kindern, Gefühle und Wünsche klar auszudrücken, ohne andere zu beschuldigen. Entdecken Sie Formulierungen, praktische Übungen und altersgerechte Beispiele für den Schulalltag.
Praxisleitfaden für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit: Definition, vier Schritte, acht Übungen, Konfliktgespräche, Checkliste und Transfer in den Projekttag.
8 Übungen entdecken Checkliste nutzenDas erwartet Sie
- ✓ Definition und Vorteile von Ich-Botschaften
- ✓ Vier Schritte für Kinder und Jugendliche
- ✓ Acht Übungen mit Material und Dauer
- ✓ Satzbeispiele aus dem Schulalltag
- ✓ Altersgerechte Umsetzung
- ✓ Typische Fehler und Grenzen
- ✓ Checkliste für Lehrkräfte
- ✓ FAQ, Fachquellen und Praxisbezug
Ich Botschaften Schule: Was sind Ich-Botschaften?
Ich Botschaften Schule bezeichnet eine Form der Kommunikation, bei der Kinder, Jugendliche und Erwachsene die eigene Wahrnehmung, das eigene Gefühl und einen Wunsch ausdrücken, statt anderen Menschen Vorwürfe zu machen. Statt „Du bist immer so gemein!“ lautet ein möglicher Satz: „Ich bin traurig, wenn ich beim Spiel nicht gefragt werde, weil ich dazugehören möchte. Können wir darüber sprechen?“
Ich-Botschaften sind ein Baustein sozialer und emotionaler Bildung. Sie helfen, Konflikte verständlich anzusprechen, ohne das Gegenüber auf ein negatives Verhalten festzulegen. Besonders in Schulklassen können solche Formulierungen dabei unterstützen, Missverständnisse zu klären und die Gesprächskultur zu verbessern.
Wichtig ist der Unterschied zwischen einer ehrlichen Ich-Botschaft und einer verkleideten Schuldzuweisung. „Ich finde, dass du immer nervst“ beginnt zwar mit „Ich“, bleibt aber eine Bewertung. Eine hilfreiche Ich-Botschaft benennt konkret, was wahrgenommen wurde, wie sich die Person fühlt und welche Veränderung sie sich wünscht.
Ich-Botschaften werden häufig mit der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg verbunden. Beide Ansätze betonen die Bedeutung von Beobachtungen, Gefühlen, Bedürfnissen und verständlichen Bitten. Für Kinder eignet sich ein einfacher Einstieg mit kurzen Satzanfängen, bevor komplexere Gesprächsabläufe folgen.
Warum sind Ich-Botschaften in der Schule wichtig?
Im Unterricht, auf dem Pausenhof und in Gruppenarbeiten begegnen Kinder unterschiedlichen Erwartungen. Nicht jeder Konflikt ist vermeidbar. Entscheidend ist, wie die Beteiligten miteinander sprechen und ob sie die Möglichkeit erhalten, ihre Sichtweisen ohne Beschämung zu äußern.
Gefühle benennen
Kinder erweitern ihren Wortschatz für Wut, Enttäuschung, Unsicherheit, Angst oder Freude. Je genauer ein Gefühl beschrieben wird, desto leichter können Erwachsene und Mitschülerinnen und Mitschüler angemessen reagieren.
Vorwürfe reduzieren
Statt „Du machst immer alles falsch“ wird ein konkreter Anlass beschrieben. Das kann die Wahrscheinlichkeit verringern, dass das Gegenüber sofort in die Verteidigung geht.
Grenzen ausdrücken
Ich-Botschaften helfen Kindern, eigene Grenzen deutlich zu benennen: „Ich möchte nicht geschubst werden. Bitte halte Abstand.“ Freundlichkeit bedeutet dabei nicht, Grenzverletzungen hinzunehmen.
Klassengemeinschaft fördern
Wenn Kinder lernen, einander ausreden zu lassen und Bedürfnisse ernst zu nehmen, kann eine respektvolle Gesprächskultur entstehen. Dafür benötigen sie wiederkehrende Übungsgelegenheiten.
Ich-Botschaften sind kein Zaubersatz. Sie lösen nicht automatisch jede Auseinandersetzung. Ein Kind kann eine Bitte ablehnen, zwei Bedürfnisse können sich widersprechen und manche Konflikte erfordern die klare Entscheidung einer Lehrkraft. Die Methode ist eine Unterstützung, kein Ersatz für Regeln und Schutzmaßnahmen.
Die vier Schritte einer Ich-Botschaft für die Schule
Für die schulische Praxis hat sich eine übersichtliche Struktur bewährt. Die Schritte sind eine Lernhilfe und müssen später nicht mechanisch aufgesagt werden.
1. Situation beschreiben
Was ist konkret passiert? Möglichst ohne Bewertung: „Als du mich vorhin beim Erzählen unterbrochen hast ...“
2. Gefühl benennen
Wie ging es mir dabei? „... war ich enttäuscht und verärgert ...“
3. Bedürfnis erklären
Was ist mir wichtig? „... weil ich möchte, dass meine Meinung gehört wird ...“
4. Konkrete Bitte formulieren
Was wünsche ich mir für die Zukunft? „... kannst du mich beim nächsten Mal bitte ausreden lassen?“
Eine Bitte ist möglichst konkret, machbar und verständlich. „Sei netter!“ lässt offen, was sich ändern soll. „Bitte frag mich, bevor du meinen Stift nimmst“ benennt dagegen eine beobachtbare Handlung.
Gerade in emotionalen Situationen kann es genügen, zunächst nur das Gefühl und die Grenze zu benennen. Bei starker Wut, Überforderung oder Angst ist oft eine kurze Pause sinnvoll, bevor die Beteiligten miteinander sprechen.
Ich-Botschaften im Unterricht einführen: Schritt für Schritt
Schritt 1: Sichere Gesprächsregeln vereinbaren
Beginnen Sie mit Regeln wie „Wir lassen einander ausreden“, „Wir beschimpfen niemanden“ und „Niemand muss persönliche Erlebnisse vor der Klasse erzählen“. Nutzen Sie zunächst erfundene Situationen. So können alle mitmachen, ohne eigene Konflikte offenlegen zu müssen.
Schritt 2: Gefühle und Bedürfnisse sammeln
Die Klasse sammelt Wörter für Gefühle und Bedürfnisse. Gefühle können beispielsweise traurig, verärgert, erleichtert oder unsicher sein. Bedürfnisse können Ruhe, Fairness, Zugehörigkeit, Anerkennung oder Sicherheit umfassen. Machen Sie deutlich, dass Kinder dieselbe Situation unterschiedlich erleben können.
Schritt 3: Du-Botschaften untersuchen
Schreiben Sie Sätze wie „Du bist so unordentlich“ oder „Du hörst nie zu“ auf Karten. Die Kinder markieren pauschale Wörter wie „immer“ und „nie“ und überlegen, welche konkrete Beobachtung dahinterstehen könnte.
Schritt 4: Gemeinsam umformulieren
Formulieren Sie als Klasse zunächst kurze Ich-Botschaften. Beginnen Sie mit einfachen Konflikten um Materialien, Reihenfolgen oder Lautstärke. Erst später werden komplexere Situationen besprochen.
Schritt 5: Mit Rollenwechsel üben
Die Kinder sprechen die Ich-Botschaft und hören anschließend eine mögliche Antwort. So wird sichtbar, dass gute Kommunikation nicht nur aus Sprechen, sondern auch aus Zuhören, Nachfragen und dem Aushandeln von Lösungen besteht.
Schritt 6: Im Schulalltag verankern
Nutzen Sie kleine Gesprächsrituale, Satzkarten oder den Klassenrat. Eine Methode, die nur einmal vorgestellt wird, gerät schnell in Vergessenheit. Lehrkräfte sollten selbst verständliche Ich-Botschaften verwenden und dabei klare Grenzen setzen.
Acht praktische Übungen zu Ich-Botschaften in der Schule
Die folgenden Übungen können im Unterricht, in der Schulsozialarbeit oder bei Projekttagen eingesetzt werden. Altersangaben sind Orientierungshilfen. Entscheidend sind die Entwicklung der Gruppe und die konkrete Situation.
Übung 1: Du oder Ich? – Sätze sortieren
Klassen: 2–6 · Dauer: 10–15 Minuten · Material: Satzkarten.
Die Kinder erhalten kurze Aussagen wie „Du bist schuld“, „Ich bin enttäuscht“ oder „Ich brauche Ruhe“. Gemeinsam sortieren sie, welche Sätze Gefühle und Wünsche ausdrücken und welche vor allem Vorwürfe enthalten. Danach wird besprochen, warum ein Satz mit „Ich“ nicht automatisch eine hilfreiche Ich-Botschaft ist.
Reflexion: Welche Aussage hilft uns, den Konflikt zu verstehen? Welche könnte neuen Streit auslösen?
Übung 2: Gefühle-Wortschatz
Klassen: 1–5 · Dauer: 10 Minuten · Material: Gefühlskarten.
Die Lehrkraft zeigt verschiedene Situationen. Die Kinder wählen mögliche Gefühle aus. Statt eine richtige Lösung vorzugeben, werden unterschiedliche Wahrnehmungen zugelassen. Danach formulieren die Kinder einen kurzen Satz: „Ich fühle mich ..., wenn ...“.
Reflexion: Können zwei Menschen bei derselben Situation unterschiedliche Gefühle haben?
Übung 3: Vorwürfe übersetzen
Klassen: 3–8 · Dauer: 15–20 Minuten · Material: Karten mit typischen Du-Botschaften.
In Zweiergruppen übersetzen die Kinder Sätze wie „Du bist immer so laut“ in konkrete Ich-Botschaften: „Ich kann mich bei lauten Gesprächen schlecht konzentrieren. Bitte sprecht während der Aufgabe leiser.“ Anschließend vergleichen sie verschiedene Lösungen.
Reflexion: Was ändert sich an der Wirkung, wenn wir Beobachtungen statt Bewertungen verwenden?
Übung 4: Vier-Schritte-Puzzle
Klassen: 3–7 · Dauer: 20 Minuten · Material: Vier farbige Karten.
Die Karten stehen für Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Zu einer fiktiven Streitsituation ordnen die Kinder passende Satzteile zu. Danach entwickeln sie eine eigene vollständige Ich-Botschaft und sprechen sie laut aus.
Reflexion: Welcher Schritt war am schwierigsten? Warum?
Übung 5: Stopp sagen und Grenzen wahren
Klassen: 1–6 · Dauer: 15 Minuten · Material: Situationskarten.
Die Kinder üben kurze, deutliche Aussagen: „Ich möchte das nicht. Bitte hör auf.“ oder „Ich brauche Abstand.“ Die Lehrkraft betont, dass bei körperlichen Grenzverletzungen nicht erst eine ausführliche Gesprächsformel nötig ist. Erwachsene müssen bei Bedarf unmittelbar eingreifen.
Reflexion: Wie kann ich deutlich sein, ohne jemanden zu beleidigen?
Übung 6: Zuhör-Tandem
Klassen: 2–9 · Dauer: 15 Minuten · Material: keine.
Ein Kind erzählt eine harmlose Alltagssituation. Das andere hört zu, unterbricht nicht und fasst anschließend zusammen: „Ich habe verstanden, dass du ...“. Danach wird gewechselt. Diese Übung ergänzt Ich-Botschaften um aktives Zuhören.
Reflexion: Woran merke ich, dass jemand mir wirklich zuhört?
Übung 7: Konfliktkarten-Rollenspiel
Klassen: 4–10 · Dauer: 20–30 Minuten · Material: fiktive Konfliktkarten.
Kleine Gruppen bearbeiten Situationen wie Streit um Sitzplätze, ausgeliehene Materialien oder ungleiche Aufgabenverteilung. Jede Person formuliert eine Ich-Botschaft. Danach sammeln die Gruppen Lösungsmöglichkeiten. Eine Beobachterrolle achtet auf respektvolle Sprache und konkrete Bitten.
Reflexion: Haben beide Seiten Gelegenheit bekommen, ihre Bedürfnisse zu äußern?
Übung 8: Ich-Botschaften im Klassenrat
Klassen: 2–10 · Dauer: 20–30 Minuten · Material: Gesprächskarten.
Die Klasse übt mit neutralen Anliegen, wie Beobachtungen, Gefühle und Wünsche im Klassenrat vorgetragen werden können. Die Gesprächsleitung erinnert an die Regeln. Persönliche oder belastende Konflikte werden nicht gegen den Willen der Betroffenen öffentlich besprochen.
Reflexion: Welche Formulierungen haben uns geholfen, eine faire Vereinbarung zu treffen?
Ich-Botschaften altersgerecht vermitteln
Klassen 1 und 2: kurze Sätze und Gefühlskarten
Jüngere Kinder benötigen anschauliche Beispiele. Ein Einstieg kann lauten: „Ich bin traurig. Ich möchte mitspielen.“ Zwei kurze Sätze sind hilfreicher als eine überfordernde Formel. Bilder, Mimik und kleine Geschichten erleichtern das Verstehen.
Klassen 3 und 4: Beobachtung und Bitte verbinden
Die Kinder können zunehmend zwischen Bewertung und Beobachtung unterscheiden. Sie üben, einen konkreten Anlass zu benennen und eine Bitte anzuschließen. Partnerübungen und kurze Rollenspiele sind geeignet.
Klassen 5 bis 7: Perspektivwechsel und Gruppendynamik
In der Sekundarstufe gewinnen Anerkennung, Zugehörigkeit und Gruppendruck an Bedeutung. Ich-Botschaften können in Diskussionen über Chatgruppen, Zusammenarbeit oder verletzende Kommentare eingebettet werden. Wichtig sind Freiwilligkeit und ein respektvoller Rahmen.
Ab Klasse 8: schwierige Gespräche und digitale Kommunikation
Ältere Jugendliche können komplexe Konflikte analysieren und die Wirkung von Sprache in Messenger-Gruppen reflektieren. Dabei sollte deutlich werden, dass schriftliche Nachrichten leichter missverstanden werden können. Nicht jede Auseinandersetzung gehört in einen öffentlichen Gruppenchat.
Ich-Botschaften Schule: Sechs Beispiele aus dem Alltag
1. Streit um Materialien
Du-Botschaft: „Du klaust immer meine Stifte!“
Ich-Botschaft: „Ich ärgere mich, wenn mein Stift ohne Fragen genommen wird. Bitte frag mich vorher.“
2. Unterbrechung im Unterricht
Du-Botschaft: „Du hörst nie zu!“
Ich-Botschaft: „Ich bin frustriert, wenn ich unterbrochen werde. Ich möchte meinen Gedanken zu Ende sagen.“
3. Ausschluss beim Spielen
Du-Botschaft: „Ihr seid alle gemein!“
Ich-Botschaft: „Ich bin traurig, wenn ich nicht mitspielen darf, weil ich gerne dazugehören möchte. Können wir darüber sprechen?“
4. Lärm bei der Gruppenarbeit
Du-Botschaft: „Ihr nervt!“
Ich-Botschaft: „Ich kann mich bei der Lautstärke schlecht konzentrieren. Können wir bitte leiser arbeiten?“
5. Unfaire Aufgabenverteilung
Du-Botschaft: „Du machst nie etwas!“
Ich-Botschaft: „Ich bin überfordert, wenn ich fast alle Aufgaben erledige. Mir ist eine faire Verteilung wichtig. Können wir neu aufteilen?“
6. Verletzende Chatnachricht
Du-Botschaft: „Du bist so respektlos!“
Ich-Botschaft: „Ich war verletzt, als ich die Nachricht gelesen habe. Mir ist ein respektvoller Umgang wichtig. Können wir persönlich darüber sprechen?“
Diese Beispiele sind Gesprächsanlässe, keine festen Musterlösungen. In der Praxis sollten Kinder eigene Worte wählen dürfen. Eine Lehrkraft kann dabei helfen, die Aussage verständlicher zu machen, ohne das Erleben des Kindes zu korrigieren.
Ich-Botschaften im Schulalltag dauerhaft verankern
Damit Ich-Botschaften nicht nur ein Unterrichtsthema bleiben, benötigen Kinder wiederkehrende Gelegenheiten. Geeignet sind kurze Reflexionsrunden, ein Satzanfang auf dem Klassenplakat oder ein fester Platz für Wünsche im Klassenrat.
Lehrkräfte als sprachliches Vorbild
Auch Erwachsene können Ich-Botschaften nutzen: „Ich kann euch bei dieser Lautstärke nicht gut erklären, was als Nächstes kommt. Ich brauche jetzt Aufmerksamkeit.“ Gleichzeitig dürfen sie klare Regeln benennen und konsequent durchsetzen.
Schulsozialarbeit als geschützter Übungsraum
In Kleingruppen oder begleiteten Gesprächen kann Schulsozialarbeit mit konkreten, aber nicht bloßstellenden Beispielen arbeiten. Manche Kinder benötigen zunächst Unterstützung bei der Wahrnehmung von Gefühlen, andere beim Formulieren einer klaren Grenze.
Transfer in den Klassenrat
Im Klassenrat können Satzkarten helfen: „Mir ist aufgefallen ...“, „Ich fühle ...“, „Mir ist wichtig ...“, „Ich wünsche mir ...“. Eine Moderation achtet darauf, dass die Gesprächsregeln eingehalten werden und keine persönlichen Angriffe entstehen.
Gemeinsame Reflexion
Fragen Sie nach Übungen: „Was hat sich verändert?“, „Was war schwierig?“, „Welche Bitte war besonders verständlich?“ So entsteht ein Lernprozess, der nicht auf eine perfekte Formulierung, sondern auf gegenseitiges Verstehen zielt.
Sieben häufige Fehler bei Ich-Botschaften vermeiden
- Vorwürfe hinter „Ich“ verstecken: „Ich finde, du bist faul“ bleibt eine Abwertung. Besser ist eine konkrete Beobachtung.
- Gefühle vorschreiben: Lehrkräfte sollten nicht behaupten zu wissen, wie ein Kind sich fühlen muss. Nachfragen ist hilfreicher.
- Formeln erzwingen: Unter Stress können Kinder nicht immer vier Schritte aufsagen. Eine kurze, klare Grenze ist ausreichend.
- Bitten mit Forderungen verwechseln: Eine Bitte lässt Raum für eine Antwort. Schulregeln und Sicherheitsgrenzen bleiben davon unberührt.
- Konflikte öffentlich ausbreiten: Persönliche Streitigkeiten brauchen manchmal ein vertrauliches Gespräch.
- Nur Kinder trainieren: Die Haltung der Erwachsenen prägt die Gesprächskultur entscheidend mit.
- Ich-Botschaften als Mobbinglösung verkaufen: Bei gezielter Ausgrenzung, Gewalt oder Machtungleichgewicht braucht es Schutz und Intervention.
Wann Ich-Botschaften allein nicht ausreichen
Ich-Botschaften sind ein Werkzeug für respektvolle Kommunikation, aber kein Ersatz für Aufsicht, Schutzkonzepte oder konsequentes Handeln. Bei körperlicher Gewalt, Bedrohungen, Diskriminierung oder Mobbing müssen Erwachsene eingreifen und Betroffene schützen. Ein betroffenes Kind darf nicht dafür verantwortlich gemacht werden, einen Übergriff mit besonders freundlichen Worten zu beenden.
Auch bei starken Emotionen kann eine Pause sinnvoller sein als ein sofortiges Konfliktgespräch. Erst wenn alle Beteiligten ausreichend ruhig und sicher sind, kann die gemeinsame Klärung beginnen. Bei wiederkehrenden schweren Konflikten sind schulische Unterstützungsstrukturen einzubeziehen.
Checkliste: Ich-Botschaften in der Schule einsetzen
Diese Checkliste unterstützt Lehrkräfte und Schulsozialarbeit bei Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung.
Vorbereitung
☐ Die Gesprächsregeln sind klar und altersgerecht.
☐ Gefühlskarten und Satzanfänge stehen bereit.
☐ Die Beispiele sind fiktiv und niemand wird bloßgestellt.
☐ Die Kinder kennen den Unterschied zwischen Beobachtung und Bewertung.
Durchführung
☐ Die Kinder dürfen eigene Worte verwenden.
☐ Gefühle werden ernst genommen, ohne sie zu bewerten.
☐ Die Bitte ist konkret und verständlich.
☐ Auch Zuhören und Perspektivwechsel werden geübt.
☐ Grenzen werden deutlich benannt und respektiert.
Nachbereitung
☐ Die Klasse reflektiert hilfreiche Formulierungen.
☐ Satzhilfen bleiben im Klassenraum sichtbar.
☐ Weitere kurze Übungen sind eingeplant.
☐ Bei Mobbing oder Gewalt werden Schutzmaßnahmen unabhängig von der Methode umgesetzt.
Ich-Botschaften und Projekttag Konfliktlösung verbinden
Die Arbeit mit Ich-Botschaften ist ein sinnvoller Bestandteil schulischer Prävention. Kinder können Gefühle und Bedürfnisse sprachlich ausdrücken und lernen, in Konflikten respektvoll zu bleiben. Damit diese Fähigkeiten auch in herausfordernden Situationen verfügbar sind, brauchen sie praktische Erfahrungen, Reflexion und Wiederholung.
Die TRY-BULLS Academy begleitet Schulen mit praxisorientierten Projekttagen zu Konfliktlösung, Gewaltprävention und Klassengemeinschaft. In gemeinsamen Aufgaben erleben die Kinder, wie Kommunikation, Regeln, gegenseitige Unterstützung und das Aushandeln von Lösungen zusammenwirken. Die Erlebnisse werden reflektiert und mit dem Schulalltag verknüpft.
Ein Projekttag kann eine Grundlage schaffen, die Lehrkräfte und Schulsozialarbeit anschließend durch Satzkarten, Klassenrat und weitere Übungen aufgreifen. Dabei steht die respektvolle Zusammenarbeit im Mittelpunkt, nicht das bloße Auswendiglernen einer Gesprächsformel.
Fazit: Ich-Botschaften Schule verständlich und praktisch vermitteln
Ich-Botschaften helfen Kindern, die eigene Sichtweise auszudrücken, ohne andere abzuwerten. Die vier Schritte – Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte – bieten eine einfache Orientierung. Besonders wirksam wird die Methode als wiederkehrender Bestandteil einer respektvollen Schulkultur: mit Vorbildern, altersgerechten Übungen, klaren Grenzen und Raum für unterschiedliche Perspektiven.
Für den Einstieg reichen wenige, verständliche Beispiele. Mit zunehmender Übung können Kinder differenzierter sprechen, besser zuhören und Konflikte konstruktiver bearbeiten. Eine faire Klassengemeinschaft entsteht jedoch nicht allein durch Formulierungen, sondern auch durch verbindliche Regeln und verlässliche pädagogische Begleitung.
Fachquellen und weiterführende Orientierung
- Thomas Gordon: Lehrer-Schüler-Konferenz. Pädagogische Kommunikation und Ich-Botschaften im schulischen Kontext.
- Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens. Grundlagen zu Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte.
- Center for Nonviolent Communication: www.cnvc.org – Grundlagen der gewaltfreien Kommunikation.
Die Beispiele dienen der pädagogischen Orientierung und ersetzen keine individuelle Konfliktberatung oder Schutzintervention.
Über den Autor: Rico Schmidt
Rico Schmidt – TRY-BULLS Academy
Gründer und Trainer der TRY-BULLS Academy. Zertifizierter Resilienztrainer, DOSB-B-Trainerlizenz, World-Rugby-Trainerqualifikation und Kinderschutzqualifikationen. Schwerpunkt: schulische Gewaltprävention, soziales Lernen, Konfliktlösung und Klassengemeinschaft.
Soziales Lernen in der Praxis
Ein Einblick in die schulische Präventionsarbeit der TRY-BULLS Academy.
Weiterführende Fachartikel zur Kommunikation und Konfliktlösung
Passende Grundlagen und Vertiefungen für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit.
Gewaltfreie Kommunikation Grundschule
Die vier Schritte und ihre Anwendung im Grundschulalltag.
Fachartikel lesenGewaltfreie Kommunikation Übungen Kinder
Zwölf praktische Übungen zur respektvollen Kommunikation.
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Praxisorientierte Strategien für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit.
Fachartikel lesenSchulen aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt vertrauen auf die TRY-BULLS Academy
Erfolgreiche Präventionsprojekte an Schulen und Bildungseinrichtungen in mehreren Bundesländern.
Schule am Buntzelberg
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Regionale Schule Ernst Moritz Arndt
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Das sagen Schulen über unsere Arbeit
Rückmeldungen aus Projekttagen und Projektwochen in mehreren Bundesländern.
„Das Projekt ‚Rugby gegen Gewalt‘ war ein rundum gelungener Projekttag, der jeden Cent wert ist und einen wichtigen Beitrag zum Teambuilding innerhalb einer Klasse leistet. […] Den Trainern der Try-Bull-Academy ist es sehr gut gelungen, diese Inhalte altersgerecht und praxisnah zu vermitteln. […] Insgesamt war ‚Rugby gegen Gewalt‘ für unsere Klasse eine sehr wertvolle Erfahrung, die nicht nur viel Freude brachte, sondern auch wichtige Impulse für den respektvollen Umgang miteinander und den Zusammenhalt innerhalb der Klasse gab.“C. MundtLehrkraft · Regenbogenschule Fahrland · Potsdam
Die Projekttage mit der TRY-BULLS Academy waren für unsere Schülerinnen und Schüler ein gelungener Start in das neue Schuljahr. Besonders für die neu zusammengesetzten Klassen bot das Rugbyprojekt eine tolle Möglichkeit, sich kennenzulernen und als Team zusammenzuwachsen. Respekt, Fairness und Teamgeist wurden dabei nicht nur besprochen, sondern auf dem Spielfeld ganz praktisch erlebt. Durch die gemeinsamen Aufgaben und Herausforderungen entstand ein echtes Wir-Gefühl.Schulzentrum am TurmSchwerin · Mecklenburg-Vorpommern
Der Projekttag hat unsere Klasse sichtbar näher zusammengebracht. Besonders schön war zu erleben, wie Schülerinnen und Schüler eigene Unsicherheiten überwanden, sich auf neue Herausforderungen einließen und gemeinsam Erfolgserlebnisse sammelten. Auch die anfängliche Trennung zwischen Jungen und Mädchen löste sich im Verlauf des Tages zunehmend auf. Die Mischung aus Bewegung, Teamaufgaben und Reflexion hat die Schülerinnen und Schüler erreicht und für viel Freude gesorgt.Regionale Schule Ernst Moritz ArndtGreifswald · Mecklenburg-Vorpommern
Die drei Projekttage mit der TRY-BULLS Academy waren für unsere Schülerinnen und Schüler eine tolle Gelegenheit, Bewegung, gemeinsames Lernen und Gewaltprävention miteinander zu verbinden. Die Kinder konnten Rugby ausprobieren, neue Fähigkeiten entdecken und als Klasse gemeinsam Herausforderungen bewältigen. Besonders positiv waren die große Begeisterung und Motivation sowie der gelebte Teamgeist, die gegenseitige Unterstützung, Fairness und der respektvolle Umgang miteinander. Vielen Dank für drei tolle und lehrreiche Tage!Grundschule Leipziger StraßeMagdeburg · Sachsen-Anhalt
„Ein großartiges Projekt, welches mehr als nur einen gewaltfreien Umgang miteinander vermittelt. Der Trainer motivierte jeden Schüler und jede Schülerin mit einer sehr abwechslungsreichen Umsetzung der Inhalte; die vielen praktischen Übungen waren geprägt von jeder Menge Spielfreude und stets durchzogen von fachübergreifendem theoretischen Input. So konnten letztlich die Leitgedanken des Rugbysports – Respekt, Fairness, Solidarität, Integration und Passion – das Klassenteam positiv beeinflussen und nachhaltig stärken. Danke – jederzeit gerne wieder!“Klasse 6bGrundschule Forst Mitte · Brandenburg
„Besonders beeindruckend war, dass eine sonst sehr herausfordernde Klasse in diesem Rahmen ihre Stärken zeigen konnte. Die Schülerinnen und Schüler konnten ihre Energie sinnvoll einsetzen, sich körperlich auspowern und gleichzeitig konzentriert und kooperativ zusammenarbeiten.“Maria-Louise HartmannRespekt Coach · Christliche Schule Johanneum · Hoyerswerda
„Im Projekt ‚Rugby statt Mobbing – Kinder lernen Fairness‘ konnten unsere Schülerinnen und Schüler wichtige Werte wie Fairness, Teamgeist und gegenseitige Unterstützung praxisnah erleben.“K. SchulzSchulleitung · Jahnschule Wittenberge · Brandenburg
„In unserer Projektwoche drehte sich alles um das Thema Rugby gegen Gewalt und Mobbing. Mit viel Spaß und Bewegung lernten die Kinder, wie wichtig Teamgeist, Fairness und Respekt im Sport und im Alltag sind.“Schule am BuntzelbergBerlin-Bohnsdorf
„Der Rugby-Tag hat den Schülerinnen und Schülern viel Freude bereitet. Teamgeist, Fairness und gegenseitiger Respekt wurden auf natürliche und praxisnahe Weise vermittelt.“Tamara JankowskiSchulsozialarbeit · Annedore-Leber-Grundschule · Berlin
Häufige Fragen zu Ich-Botschaften in der Schule
Antworten für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit.
Was sind Ich-Botschaften in der Schule?
Ich-Botschaften beschreiben die eigene Wahrnehmung, Gefühle und Wünsche, ohne anderen pauschale Vorwürfe zu machen.
Wie lauten die vier Schritte einer Ich-Botschaft?
Die vier Schritte sind Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und eine konkrete Bitte.
Was ist der Unterschied zwischen Ich-Botschaft und Du-Botschaft?
Eine Ich-Botschaft beschreibt das eigene Erleben. Eine vorwurfsvolle Du-Botschaft bewertet häufig die andere Person.
Welche Ich-Botschaften eignen sich für Kinder?
Kurze Sätze wie „Ich bin traurig, wenn ich nicht mitspielen darf. Ich möchte dazugehören“ eignen sich als Einstieg.
Ab welcher Klasse kann man Ich-Botschaften üben?
Einfache Gefühls- und Wunschformulierungen sind bereits in Klasse 1 möglich. Komplexere Vier-Schritte-Gespräche werden später eingeführt.
Welche Übungen helfen bei Ich-Botschaften?
Satzkarten sortieren, Vorwürfe übersetzen, Gefühlskarten, Vier-Schritte-Puzzle, Rollenspiele und Zuhör-Tandems sind geeignete Methoden.
Können Ich-Botschaften Mobbing verhindern?
Ich-Botschaften können respektvolle Kommunikation unterstützen, ersetzen aber keine Schutz- und Interventionsmaßnahmen bei Mobbing.
Wie lassen sich Ich-Botschaften im Klassenrat nutzen?
Kinder benennen konkrete Situationen, ihre Gefühle und Wünsche. Eine Moderation achtet auf respektvolle Gesprächsregeln.